Portugiesische Grammatik, erklärt mit Songs
14 kurze Lektionen zur portugiesischen Grammatik, auf die echte Songs bauen. Jede erklärt den Punkt in einfachen Worten und nennt die Songs auf Verbomatico, in denen du ihn hörst.
Der Futurkonjunktiv, lebendig und Pflicht
Das Portugiesische hat eine Zeitform, die das Deutsche schlicht nicht kennt, und benutzt sie täglich. Nach quando, se, assim que und enquanto steht eine künftige Handlung in dieser Form, wo du einfach das Präsens nimmst:
quando CHEGARES, telefona · se QUISERES, vamos · assim que PUDERES.
Gebaut wird sie aus der dritten Person Plural des Präteritums ohne -ram: fizeram → fizer, foram → for.
Zu hören in: A Nossa Dança (Calema) · A Vida Toda (Carolina Deslandes) · Amar Pelos Dois (Salvador Sobral) · Lambada (Kaoma) · Tu E Eu (Diogo Piçarra)
Ser oder estar
Dein sein deckt alles auf einmal ab; das Portugiesische spaltet es in zwei Verben.
SER ist, was etwas ist: sou português, é médico, o livro é meu.
ESTAR ist, wie oder wo es gerade ist: estou em casa, está cansado, está frio.
Dasselbe Adjektiv wechselt damit die Bedeutung: ele é aborrecido (er ist langweilig) / ele está aborrecido (er ist verärgert).
Zu hören in: Eduardo e Mônica (Legião Urbana) · Garota de Ipanema (Tom Jobim & Vinícius de Moraes) · Lambada (Kaoma) · Mas Que Nada (Jorge Ben) · Primeiros Erros (Chove) (Capital Inicial) · Tu E Eu (Diogo Piçarra)
Wo das Pronomen steht
Das europäische Portugiesisch setzt das Objektpronomen normalerweise HINTER das Verb und bindet es mit Bindestrich an: chamo-me Ana, dá-me isso, vejo-te amanhã.
Es springt aber nach vorn nach einer Verneinung, einem Fragewort oder Wörtern wie já, também, que: NÃO me chamo Ana, quando me dás isso, já te vi.
Das brasilianische Portugiesisch zieht die vordere Stellung überall vor.
Zu hören in: A Vida Toda (Carolina Deslandes) · Há Um Mar Que Nos Separa (Leonor Andrade) · Sei Lá (Bárbara Tinoco) · Uma Casa Portuguesa (Amália Rodrigues)
Geschlecht und Zahl
Substantive enden auf -o (meist männlich) oder -a (meist weiblich), und Artikel und Adjektiv folgen: o carro novo, a casa nova, as casas novas. Für dich ist das eine Erleichterung: das Wortende verrät hier meist das Geschlecht, deins verrät nie eins.
Der Plural hängt normalerweise -s an, aber Wörter auf -ão gehen drei Wege — mão → mãos, pão → pães, coração → corações — und Wörter auf -l tauschen es gegen -is: papel → papéis.
Zu hören in: A Nossa Dança (Calema) · Ai Se Eu Te Pego (Michel Teló) · Amar Pelos Dois (Salvador Sobral) · Há Um Mar Que Nos Separa (Leonor Andrade) · Mas Que Nada (Jorge Ben) · Primeiros Erros (Chove) (Capital Inicial)
Jemandem sagen, dass er etwas tun soll
Die bejahende TU-Form ist einfach die dritte Person Präsens: fala!, come!, parte!
Sobald du aber Nein sagst, rutscht alles in den Konjunktiv und TU bekommt ein -s: não fales!, não comas!, não partas! Dein «sprich nicht!» bleibt dagegen dieselbe Form wie «sprich!».
Bei você und vocês sind beide Formen Konjunktiv: fale / não fale.
Zu hören in: Há Um Mar Que Nos Separa (Leonor Andrade) · Lambada (Kaoma) · Mas Que Nada (Jorge Ben) · Sei Lá (Bárbara Tinoco) · Tu E Eu (Diogo Piçarra) · Uma Casa Portuguesa (Amália Rodrigues)
Reflexive Verben und der Bindestrich
Der Infinitiv trägt hinten -se — levantar-se, chamar-se, ir-se embora —, und beim Beugen wird dieses se zum Pronomen der jeweiligen Person. Dein sich nennen, sich erheben macht dieselbe Bewegung.
In Portugal steht das Pronomen HINTER dem Verb, mit Bindestrich: chamo-me, levanto-me.
Es springt aber nach vorn bei einer Verneinung, einem Fragewort oder einem Adverb: não me chamo, já se foi.
In Brasilien steht es fast immer vorn, auch ohne all das: eu me chamo.
Zu hören in: A Vida Toda (Carolina Deslandes) · Há Um Mar Que Nos Separa (Leonor Andrade) · Sei Lá (Bárbara Tinoco) · Uma Casa Portuguesa (Amália Rodrigues)
Estar a + Infinitiv oder das Gerundium
Um zu sagen, was gerade passiert, nimmt das europäische Portugiesisch estar a + Infinitiv: estou a cantar. Dein Präsens muss das allein tragen, deshalb fühlt sich diese Form zunächst überflüssig an.
Das brasilianische Portugiesisch nimmt das Gerundium: estou cantando. Beides ist richtig, jedes auf seiner Seite.
Das europäische Gerundium ist nicht verschwunden: es begleitet eine Handlung, vor allem geschrieben und in Liedern.
Und als Substantiv funktioniert es nie: «Schwimmen ist gut» nimmt den Infinitiv, nicht das Gerundium — genau wie dein das Schwimmen.
Zu hören in: Lambada (Kaoma)
Der Konjunktiv: wenn das Portugiesische nichts mehr behauptet
Der Indikativ stellt eine Tatsache fest; der Konjunktiv hält den Satz in Wunsch, Zweifel, Gefühl oder in dem, was noch nicht geschehen ist. Dein Konjunktiv liegt daneben, wird aber viel seltener verlangt — hier ist er Pflichtprogramm.
Gefordert wird er von espero que, quero que, talvez, oxalá, é preciso que, para que, embora.
Gebildet wird er durch Vokaltausch: falar ergibt que eu fale, comer ergibt que eu coma.
Und das Portugiesische hat eine Zeit, die fast keine andere Sprache besitzt: den Futurkonjunktiv, Pflicht nach se, quando und enquanto — se puderes, quando chegares.
Zu hören in: A Nossa Dança (Calema) · Amar Pelos Dois (Salvador Sobral) · Eduardo e Mônica (Legião Urbana) · Garota de Ipanema (Tom Jobim & Vinícius de Moraes) · Mas Que Nada (Jorge Ben) · Primeiros Erros (Chove) (Capital Inicial) · Tu E Eu (Diogo Piçarra)
Der Konditional: was du tun würdest
Er sagt, was geschehen würde, nicht was geschieht. Gebaut wird er auf dem GANZEN Infinitiv plus -ia: falaria, comeria, partiria. Eine eigene Endung also, kein Umweg über ein würde.
Er deckt Hypothesen ab, Höflichkeit — gostaria ist weit sanfter als quero — und Vermutungen über die Vergangenheit.
Die wenigen unregelmäßigen sind die des Futurs: faria, diria, traria.
In der Alltagssprache tritt sehr oft das Imperfekt an seine Stelle: statt gostaria sagt man gostava.
Zu hören in: Primeiros Erros (Chove) (Capital Inicial)
Das Imperfekt: was immer wieder geschah
Das Präteritum meldet ein abgeschlossenes Ereignis; das Imperfekt beschreibt, was andauerte, was sich wiederholte, oder den Hintergrund, vor dem der Rest passiert. Deine Wahl zwischen Perfekt und Präteritum ist eine Stilfrage — diese hier ist es nicht.
Die Endungen gleichen sich über alle drei Konjugationen bis auf den Vokal: -ava, -ia, -ia.
Nur vier Verben sind unregelmäßig: ser (era), ter (tinha), vir (vinha) und pôr (punha).
Im Lied ist es meist die Stimme der Erinnerung: was es gab, was du immer getan hast.
Zu hören in: A Vida Toda (Carolina Deslandes) · Eduardo e Mônica (Legião Urbana)
Das Präteritum: was geschehen ist
Das ist die Vergangenheit, die ein abgeschlossenes Ereignis zu einem bestimmten Zeitpunkt meldet: ontem vi, já cheguei.
Achtung, Falle: das «pretérito perfeito composto» (tenho feito) ist NICHT dein Perfekt, auch wenn es Wort für Wort so aussieht — es heißt, dass sich die Handlung bis jetzt immer wieder wiederholt.
Für eine gewöhnliche Vergangenheit nimm immer die einfache Form: fiz, nicht «tenho feito». Dein «ich habe gemacht» wird hier zu fiz.
Die unregelmäßigen sind zahlreich und gehören zu den häufigsten: fui, tive, fiz, disse, trouxe, pus.
Zu hören in: A Nossa Dança (Calema) · Ai Se Eu Te Pego (Michel Teló) · Amar Pelos Dois (Salvador Sobral) · Garota de Ipanema (Tom Jobim & Vinícius de Moraes) · Há Um Mar Que Nos Separa (Leonor Andrade) · Lambada (Kaoma) · Tu E Eu (Diogo Piçarra)
Há und tem: sagen, dass es etwas gibt
HÁ ist unpersönlich und ändert sich nie: há um problema, há mil problemas. Das ist dein es gibt, das auch im Plural stehen bleibt.
Gesprochen, und besonders in Brasilien, wird TEM im selben Sinn benutzt: tem gente lá fora.
Verwechsle es nicht mit ter im Sinn von besitzen: tenho um carro heißt «ich habe», há um carro heißt «es gibt».
Und há gibt auch die verstrichene Zeit an: há dois anos heißt «vor zwei Jahren».
Zu hören in: Eduardo e Mônica (Legião Urbana) · Sei Lá (Bárbara Tinoco) · Uma Casa Portuguesa (Amália Rodrigues)
Die Verschmelzungen: do, na, pelo, àquele
Im Portugiesischen verschmilzt die Präposition mit dem Artikel, und das ist keine freie Wahl: de + o ergibt do, em + a ergibt na, por + o ergibt pelo. Dein zu dem → zum und in dem → im ist dasselbe Verfahren.
Du kannst nicht «de o livro» schreiben: es heißt immer do livro. Und anders als bei dir, wo «zu dem» daneben erlaubt bleibt, gibt es hier keine getrennte Form.
Bei der Präposition a und dem Artikel a kommt der Gravis dazu, dessen einzige Aufgabe genau das ist: à, às, àquele.
Auch die Demonstrativa erwischt es: de + este ergibt deste, em + isso ergibt nisso.
Zu hören in: A Nossa Dança (Calema) · Ai Se Eu Te Pego (Michel Teló) · Amar Pelos Dois (Salvador Sobral) · Garota de Ipanema (Tom Jobim & Vinícius de Moraes) · Mas Que Nada (Jorge Ben) · Primeiros Erros (Chove) (Capital Inicial)
Mais, menos, tão… do que
Das Portugiesische ändert das Adjektiv nicht: es stellt ein Wort davor. mais alto do que, menos alto do que, tão alto como. Dein höher mit -er gibt es hier nicht.
Der Superlativ bekommt den Artikel dazu: o mais alto, a mais alta.
Zwei Unregelmäßige muss man kennen: bom ergibt melhor (nie «mais bom») und mau ergibt pior.
Und es gibt den Superlativ auf -íssimo, sehr portugiesisch und sehr häufig: lindíssimo.
Zu hören in: A Vida Toda (Carolina Deslandes) · Ai Se Eu Te Pego (Michel Teló) · Eduardo e Mônica (Legião Urbana) · Garota de Ipanema (Tom Jobim & Vinícius de Moraes) · Sei Lá (Bárbara Tinoco) · Uma Casa Portuguesa (Amália Rodrigues)
Übe es mit den Songs
In der App hat jede Lektion Übungen, Beispielsätze und Konjugationstabellen aus den Songs, die du lernst.